Wir sind die Urheber – Appell für das Urheberrecht. Netzszene eröffnet Hatz auf die Unterzeichner.
Von Redaktion • 11.05.12 • Thema: News, Urheberrecht“Wir sind die Urheber”, mit diesem Aufruf schalten sich 100 Autoren und Künstler in die Debatte um Sinn und Zweck des Urheberrechts ein. Zu den Hintergründen ein Beitrag in ZEIT ONLINE. Ihn ihrem sehr kurzen Beitrag finden sich unter anderem Aussagen wie “Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern.”
Der Aufruf kann hier unterzeichnet werden.
Wie zu erwarten, hat die einschlägige Anti-Urheberrechts-Szene wie in ähnlichen früheren Fällen mit einer Ping-Pong-Aktion “Auch wir sind die Urheber” reagiert, in der ihre Anti-Urheberrechtsposition deutlich formuliert wird, initiiert von Anatol Stefanowitsch, der erst kürzlich einen Generalabwasch von Urheberrecht und Kulturindustrie (“Offener Brief an die Contentindustrie”) vorgenommen hat.
Wie ebenfalls zu erwarten, eröffnet die einschlägige Szene auch die Hatz auf die Unterzeichner des Appells, indem deren Adressen veröffentlicht werden. Prominente Publizisten im Umfeld der Piratenpartei wie Christian Sickendieck kommentieren diese Aktion, die natürlich nichts mit der Piratenpartei und ihrem Umfeld zu tun hat*, dann offensichtlich auch positiv:
Chris Sickendieck ( @csickendieck ) auf Twitter: “Hihi, Anonymous sorgt mal ein wenig für Transparenz bei “Wir sind die Urheber!” und veröffentlicht ein paar Adressen. (…) [Hier folgt dann der Link zur Seite bei Pastebin zu den Adressen] ”
Bei diesen Daten handelt es sich offensichtlich um Privatadressen der Unterzeichner.
Es ist kein Wunder, dass angesichts einer nicht vorhandenen Diskussionskultur im Netz, sondern einer Verfolgungs-Unkultur gegenüber Kritikern, viele Urheber, darunter zahlreiche Autoren, Journalisten, Musiker und bildende Künstler weiterhin schweigen. Auch bezeichnend ist es, dass selbst solche Verfolgungsaktionen nicht von Vertretern der Piratenpartei und anderen Urheberrechtskritikern sofort und deutlich zurückgewiesen werden.
Michael Hirschler
*verantwortlich ist sicherlich der berüchtigte, langjährige Christdemokrat Antonius #Anonymous (die Raute vor Anonymous ist in Wirklichkeit ein Kreuz…)
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Einfach mal lesen, bevor man weiterhin so einen Unsinn hierhinpinselt, von wegen “Anti-Urheberrechts-Szene” http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/kuenstler-schreiben-offenen-brief-fuer-das-urheberrecht-a-832624.html
Ich frage mich langsam, wie lange ich noch DJV-Mitgliedsbeiträge für diese Art von Realitätsverweigerung zahlen sollen. Im übrigen gibt es durchaus unterstützenswerte, nach Lösungen tastende Positionen mit Augenmaß und Offenheit gegenüber den widerstreitenden Interessen. Da habe ich unterschrieben: http://wir-sind-die-buerger.de/
Die Ping-Pong-Aktion “Auch wir sind die Urheber” liest sich doch ganz gut. Was hat denn das mit “Anti-Urheberrechts-Position” zu tun?
Warum blendet der DJV der sachliche Kritik an dem Aufruf “Wir sind die Urheber” völlig aus? Und wer oder was ist die “einschlägige Szene”?
Ich bin schon etwas traurig, dass ich als zahlendes Mitglied zusehen muss, wie sich der DJV für eine beinharten Zementierung des bestehenden, überholten Urheberrechts einsetzt. Aber diese Kriegsrhetorik nervt mich noch viel mehr.
@Alex – lesen Sie doch mal den “Offenen Brief an die Contentindustrie” von A. Stefanowitsch, der die Ping-Pong-Aktion laut Eintrag (mit) angeleihert hat. Dann wird Ihnen klar, dass dahinter eine massive Anti-Urheberrechts-Position steht. Was die Mitgliedschaft angeht, so haben die freien Journalisten des DJV, die sich in den zahlreichen Gremien des Verbandes engagieren, Entscheidungen mit großer Mehrheit gefällt, sich für das Urheberrecht, auch die bestehenden Schutzfristen einzusetzen. Den Kontakt zu diesen Kollegen vermittele ich gerne, selbstverständlich können wir uns über die Frage auch persönlich austauschen. Wir sind uns aber sicherlich einig, dass es kein Stil ist, die Adressdaten der Unterzeichner des Urheberaufrufs in Pastebin bekannt zu machen?
M. Hirschler
@Textkoch – die Diskussion über die Frage, wie das Urheberrecht in Zukunft aussehen sollen, insbesondere wie das Urhebervertragsrecht verbessert werden kann, führen wir seit Jahren in den Gremien des DJV, zuletzt hat der DJV-Gesamtvorstand ein Positionspapier dazu beschlossen, siehe hierzu auch unter http://www.djv.de/Urheberrecht.2874.0.html, außerdem wird darüber durch Verbandsklagen vor zahlreichen Gerichten gestritten. Die nächste und wichtigste Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird für den 16.5. erwartet. Alle diese Initiativen erfolgen im Interesse der Mitglieder, gerade auch der freien Journalisten. Die Solidarität mit Autoren, die sich für Urheberrechte gehören, ist eine Selbstverständlichkeit, die mir (auch heute) Mitglieder übermittelt haben: “Bitte weisen Sie im Freienblog auf den Aufruf der 100 Autoren und Künstler hin!” Ja, nun, sollen wir unterlassen, was Vorstände, Fachgremien der Freien und die Mitglieder selbst fordern??? Der Abbau der Urheberrechte und der Schutzfristen für urheberrechtlich geschützte Werke im Namen einer von anderen definierten “Realität” (die das heißt Google-, Facebook- und Pinterest-regierte Netzwelt) gehört bisher nicht zu den Regelforderungen, die mir aus den Gremien, aber auch von Mitgliedern im persönlichen Kontakt zugehen. Gerne können wir uns mal persönlich über diese Fragen unterhalten, denn die Netzkommunikation über die Welt der Kommentare ist für die Verständigung in vielerlei Hinsicht ungeeignet.
M. Hirschler
Dazu ein aktuelles Zitat von Christoph Lauer aka Schmidtlepp auf Twitter: “Die Freiheit der Kunst ist vollkommen zu Recht im Grundgesetz verankert. Der Urheber, der Kulturschaffende, diejenigen also, die darauf angewiesen sind, mit ihrer Kreativität für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, haben genauso ihre Daseinsberechtigung wie jeder andere Beruf. Es bringt nichts, das Dasein des Künstlers, des Urhebers zu verklären oder zu romantisieren. Es bringt erst recht nichts zu unterstellen, was kommerziell sei, sei keine Kunst. Die Wut und Angst von Urhebern ist für mich angesichts des Unverständnisses, das Kulturschaffenden teilweise im Internet entgegengebracht, wird verständlich.”
(Quelle: http://www.faz.net/aktuell/piraten-urheberrecht-ein-notwendiger-protest-11748450.html)
Insbesondere der letzte Satz des Zitats ist wichtig: Denn wer Kommentare zu Debattenbeiträgen, Artikeln und Blogposts liest, stößt auf weitaus mehr als nur Unverständnis. Als Urheberin bin ich durchaus auch Angehörige der sogenannten “Netzszene”. Von völlig sinnfreien Aktionen wie http://mobil.derwesten.de/dw/region/sauer-und-siegerland/mail-bomben-und-kulturneid-id6620982.html?service=mobile oder der veröffentlichten Adressenliste der Unterzeichner “Wir sind die Urheber” kann man sich allerdings nur distanzieren.
Und: Eine Position “Pro Urheberrecht” bedeutet mitnichten automatisch “Pro Netzsperren” oder “Pro Überwachungsstaat” zu argumentieren. Genauso wenig wie das ein Beleg für “antiquierte Denkmuster” ist. Die Langfassung der DJV-Positionen zum Urheberrecht gibt’s hier: http://www.djv.de/fileadmin/DJV/Infothek_NEU/Stellungnahme_Urheberrecht_Langfassung2.pdf
Bin in dieser Diskussion (nahezu) unbefangen, da ich weder den einen noch den anderen Aktivistengruppen angehöre.
Aber mein normaler Menschenverstand / Gefühl sagt mir, die Diskussion läuft komisch.
Merkt Ihr das nicht?
Wenn doch beide Seiten anerkennen, dass sich etwas verändert, könnten doch auch beide Seiten mal ernsthaft darüber diskutieren, wie man das Beste für eine GEMEINSAME Zukunft daraus macht.
Niemand will doch künftig auf Kunst und Journalismus verzichten, jeder versteht die Notwendigkeit Erlösmodelle zu finden. Aber niemand braucht 70 Jahre Schutzfristen als Einkommensquelle für Urenkel. Und niemand will große “Zwischenhändler” reich machen, derer es heute nicht mehr Bedarf.
Also seid doch jetzt einfach mal kreativ, Ihr Kreativen!
Und macht, anstatt zu streiten und mit Dreck zu werfen mal etwas das geht. Und zwar für alle!
Euer Jo
@Jo: Besten Dank für deinen Eintrag, schließ mich dem voll und ganz an. :-)
@Jo – “niemand braucht 70 Jahre” – ist Ihnen klar, dass der Verfall von Eigentumsrechten auf diese Frist schon ein massiver Einschnitt in Rechte ist? Wieso ein Rechteverlust nach 70 Jahren, wenn Grundstücke und anderes Mobiliar ohne Zeitbegrenzung über Jahrhunderte vererbt werden können? Weil geistiges Eigentum eben nicht als gleichwertig gelten darf? Und seien wir ehrlich: Es geht den Kritikern nicht um 60,50,40 oder 30 Jahre (Zeiten, in denen zahlreiche Witwer/Witwen das Geld oft noch dringend brauchen), nicht einmal um 20 Jahre. Zum Teil wird der Verfall der Rechte noch zu Lebzeiten eingefordert (“10 Jahre nach Veröffentlichung”), und darüber hinaus Urheberrecht im Internet generell zum Unding erklärt (“Copyfight”). Lesen Sie einmal den “Offenen Brief an die Content-Industrie” von Anatonil Stefanowitsch, dann wird klarer, worum es geht. Der DJV führt den Dialog mit der Politik seit Jahrzehnten. Die einschlägige Netzszene* will aber keinen Dialog mehr, sondern durch “befreite Dokumente” und digitale Hetzjagden auf Urheber Fakten schaffen in ihrem Sinne. Mit schäbigen “Hihi” wie dem Szenepublizisten Christian Sickendieck, der im Umfeld der Piratenpartei unterwegs ist, werden solche Aktionen mit der allzu bekannten “klammheimlichen Freude” begleitet.
*Jeder – außer dem ansonsten in vieleilei Hinsicht alles Mögliche begreifen könnende Rechtsanwalt Stadler (mit oder ohne t, auch egal) – weiß, welche Leute mit “Netzszene” gemeint sind.
In der Tat, die Diskussion läuft “komisch”. Mit ziemlich unkomischen Auswüchsen. Einen lesenswerten Beitrag zum Thema gibt’s von Frank Schirrmacher in der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/urheberrechtsdebatte-schluss-mit-dem-hass-11749057.html