“Warum ich nicht kostenlos für die Huffington Post arbeite” – Post wird zum Killer-Tweet
Von Redaktion • 27.01.12 • Thema: Ausland, Honorare, News, Soziales“Warum ich nicht kostenlos für die Huffington Post arbeite”, dieser (französischsprachige) Blogbeitrag von Christophe Ginisty hat mit (Stand 27. Januar 2011) sage und schreibe 604 Retweets den Nerv der Menschen in den sozialen Medien getroffen. Ihm war von Mitarbeitern der “HuffPo” vorgeschlagen werden, für die Internetseite zu schreiben.
“Ich habe das Angebot, eine Kolumne bei der französischen Ausgabe der Huffington Post abgelehnt, weil es absolut nicht anständig ist, eine Internetseite zu starten, bei der ein sehr bedeutsamer Teil durch Leute hergestellt wird, von denen man verlangt, ohne die geringste Gegenleistung zu arbeiten”, schreibt Christophe Ginisty. “Wenn man die Leute kennt, die an der Spitze dieses Projekts stehen, wenn man ihre Mittel und ihre Ambitionen kennt, finde ich es inakzeptabel, wenn man diese Art von Vorschlag macht, der entehrend für den Titel ist.”
Christophe Ginisty fährt fort: “Es ist eine Schimäre sich vorzustellen, dass Information kostenlos hergestellt werden kann. Nur weil ein Teil des Internets öffentlicher Raum ist, haben Medien wie die Huffington Post nicht das Recht, Leute für sich arbeiten zu lassen, ohne sie vergüten…”
Arianna Huffington hatte erst kürzlich in einem Interview verlauten lassen, dass sie Autoren nichts zahlen werde. Die französische Ausgabe wird zudem bisher von nur acht bis zehn Redakteuren gemacht, ließ Huffington im gleichen Interview wissen, während es in den USA Hunderte von Redakteuren gibt und Huffington die Einstellung von rund 200 weiteren Mitarbeitern ankündigte, die ein Heer von über 6.000 (unvergüteten) Autoren betreuen.
Das Modell des kostenlosen Autoren wird in den USA ergänzt durch Mischformen von eher symbolischer Grundvergütung mit “Klickzahlen-”bezogener Zusatzbezahlung. Diese “Incentive-Bezahlung” (Incentive Pay) wurde gerade erst vom Wirtschaftsmagazin Forbes für seine Online-Aktivitäten ausführlich beschrieben. Forbes setzt auf rund 1.000 Autoren, von denen die meisten Experten aus anderen Berufsfeldern stammen und die daher nicht auf das Einkommen existenziell angewiesen sind. Dieses Modell war auch in der Dezemberausgabe des deutschen Branchendienstes “New Media USA: Trends & Insights” ausführlich beschrieben worden. Es ist klar, dass an gleichen Modellen nun auch in deutschen Häusern gearbeitet wird. Gänzlich neu ist das allerdings auch nicht. Verlage wie der “Verlag für die deutsche Wirtschaft” (Rentrop) setzen schon seit Jahrzehnten für die Betreuung von Special-Interest-Newslettern auf die Mitwirkung von beruflich bereits situierten Experten, für die das Honorar nicht im Mittelpunkt steht, sondern eher die Außenwirkung, die eine Rolle als Chefredakteur mit sich bringen kann.
Die reine klickzahlenbezogen vergütende Plattform suite101.com hatte ihre deutschlandbezogenen Aktivitäten zuletzt stark reduziert und ihre Redaktion in Berlin aufgelöst.
In Spanien hatte eine Aktion auf Twitter “NoTrabajoGratis” (Ich arbeite nicht kostenlos”) eine große Welle der Solidarität ausgelöst. Der Twitter-Hashtag bzw. Mem #notrabajogratis wurde sehr populär unter jungen Journalisten und Medienleuten, die permanent mit solchem Ansinnen konfrontiert sind. Die Pressevereinigung von Madrid zeichnete jetzt die Akteure mit einem Preis aus. Laut dem “international journalists´network” hieß es dabei, der Preis werde “in Anerkennung aller jungen Journalsiten verliehen, für die es sehr schwierig ist, Journalismus in einer würdigen Form praktizieren zu können und dabei anständig bezahlt zu werden.”
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