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Springer kürzt und kürzt in den WELT-Ausgaben – beim DJV melden und Onlineformular Honorarmeldung benutzen

Von Redaktion • 02.05.12 • Thema: Honorare, News, Urheberrecht

Als sich anlässlich einer Layoutreform der WELT-Objekte Ende 2010 die Längen der Zeilen änderten, wollte Springer zunächst einmal das gewohnte Zeilengeld nicht anpassen – Folge: Weniger Geld für die gleiche Anzahl der Buchstaben. Erst die Proteste einiger im Haus doch recht wertgeschätzter freier Mitarbeiter sorgten dafür, dass es in vielen Fällen eine Art Bestandsschutz gab. Seit einigen Wochen ist aus unterschiedlichen Regionalausgaben zu hören, dass die Kürzungen auf das ursprünglich geplante niedrigere Niveau nunmehr vollzogen werden sollen.

Der DJV-Justiziar Benno H. Pöppelmann, Chefverhandler des DJV für die Vergütungsregeln, ist in dieser Sache bereits involviert und prüft beispielsweise, ob die Sätze der Vergütungsregeln im Einzelfall nicht sogar unterschritten werden. DJV-Mitglieder sollten sich gleichwohl zur Information und Koordination mit ihren Kontaktdaten an das DJV-Referat Freie Journalisten wenden. Jeder Hinweis, jede Meldung ist wichtig, um Zahl der Betroffenen und das Ausmaß der Kürzungen festzustellen. Unter der Telefonnummer 0228 / 2017218 erhalten Mitglieder auf Wunsch Einzelberatung (bei Nichterreichen erfolgt Rückruf).

Der DJV bittet Mitglieder, in jedem Fall ihre aktuellen bzw. geänderten Honorarwerte bei WELT, aber auch anderen Springer-Medien online beim DJV melden. Die Meldung ist in einem Online-Formular auch anonym möglich: http://honorar.djv-online.de

Interessierte Mitglieder können auch an einer Mailingliste des DJV zum Thema Urheberrecht und Honorare teilnehmen. Dazu melden Sie sich hier an: https://ml06.ispgateway.de/mailman/listinfo/vertragsfragen_djv-online.de

Allerdings gilt auch, sich in den Redaktionskonferenzen und Gesprächen mit Verantwortlichen im Haus Springer selbst deutlich zu Wort zu melden, da der Protest der Betroffenen selbst oft besonders wirksam ist. Die Redakteure können die Anliegen der Freien nur dann nach (ganz) oben verteidigen, wenn diese ihrem Unmut deutlich Luft machen. Praktisch alle Redakteurehaben einmal als Freie gearbeitet und können unmöglich behaupten, sie seien im Kern gleichgültig gegenüber den Anliegen der Freien, angeblich “die wertvollsten Mitarbeiter des Hauses Springer”. Selbst der Vorstandsvorsitzende der Springer AG Mathias Döpfner war freier Mitarbeiter der “Offenbach Post”, der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” und lieferte darüber hinaus Reportagen und Rezensionen auf freier Basis an Printmedien. Er sollte wissen, wie wichtig angemessene Honorare sind. Falls er es vergessen hat, gibt es Anlass, ihn daran deutlich zu erinnern.

Der DJV macht darauf aufmerksam, dass am 16. Mai eine wichtige Entscheidung über die Geschäftsbedingungen der freien Journalisten bei Springer ansteht: Der Bundesgerichtshof wird über die Klage des DJV gegen die Springer-Verträge der freien Mitarbeiter entscheiden. Diese Entscheidung wird die rechtliche Situation der freien Journalisten stark beeinflussen, gerade auch die Frage klären, für welche Nutzungen Zusatzhonorare zu zahlen sind. Ob die Kürzung bei Springer eine präventive Maßnahme ist, um damit die zu erwartende Verpflichtung zu Mehrzahlungen an die Freien zu kompensieren, kann aber derzeit nicht belegt werden. Siehe dazu auch hier.

Weiterhin empfiehlt der DJV freien Bildjournalisten, gegenüber Springer nicht auf Downloadgebühren zu verzichten. Der DJV hat ein erstes Verhandlungsgespräch mit Springer geführt und die Zusage erhalten, dass Bildjournalisten, die Downloadgebühren berechnen, ihre Bilder dennoch weiter absetzen können. Siehe dazu den Bericht im Bildjournalisten-Blog.

Gleichzeitig sollte sich aber auch niemand Illusionen über den harten Kurs machen, den der Vorstandsvorsitzende des Konzerns selbst fahren möchte. Gegenüber dem Hamburger Bildjournalisten Nils Bahnsen, DJV-Mitglied in Hamburg, der (mit einer zu diesem Zweck erworbenen Aktie) in der Rolle als Aktionär auf der Hauptversammlung der Axel Springer AG letzte Woche das Verhalten des Verlags kritisierte, vertrat Döpfner die Ansicht, die Downloadgebühren müssten verschwinden. Ganz vage deutete er zwar an, man könne über die Honorare “noch einmal reden”, allerdings zeigt das Beispiel WELT, dass das praktische Handeln in eine andere Richtung weist. Daher wird es ohne deutliche Proteste und ohne individuellen Widerspruch kaum funktionieren. Der Verlag muss merken, dass die Freien keine stumme Masse sind, mit der er umspringen kann, wie er will, sondern Mitarbeiter, deren Interessen und Ansprüche er berücksichtigen muss.


Michael Hirschler

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