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Ruhm & Ehre: Unbezahlte Blogger bekommen keinen Cent vom 315 Millionen Verkaufspreis der Huffington Post

Von Redaktion • 31.03.12 • Thema: Ausland, Honorare, Markt/Vermarktung, News, Online, Urheberrecht

Ruhm & Ehre: Unbezahlte Blogger bekommen keinen Cent von den 315 Millionen Verkaufspreis der Huffington Post, berichtet Reuters Legal.

Die Huffington Post setzt auf Beiträge von Bloggern, denen keinerlei Honorar geboten wird. Die “HuffPo” (so die populäre Abkürzung) setzt darauf, dass die Blogger kostenlos arbeiten, um ihre Ideen zu verbreiten, ihren eigenen Namen oder ihr Unternehmen bekannter zu machen – oder schlichtweg aus Eitelkeit.

Manche mögen dort aber auch tätig gewesen sein, weil sie mit irgendeiner Kompensation durch die HuffPo selbst gerechnet haben, sei es die Einführung von Boni für besonders erfolgreiche Blogger oder das Angebot einer Anstellung in der über 400 Personen großen Redaktion (Zahlenangabe laut Standard.at).

Als die Gründerin Arianna Huffington das Unternehmen an AOL verkaufte, erhielt sie 315 Millionen Dollar. Sie schüttete davon nicht einen Cent an die Autoren aus, mit deren Arbeit dieser Betrag (auch) erwirtschaftet wurde.

Das Gericht verglich die Blogbeiträge mit einem Leserbrief. Auch dort sei klar, dass kein Honorar gezahlt wird.

Geklagt hatten Autoren um Jonathan Tasini, der in der Vergangenheit bereits wegen der ungefragten Online-Archivierung von Beiträgen erfolgreich gegen die New York Times vorgegangen war. Damals gewannen sie in dem von der National Writers Union unterstützten Verfahren 18 Millionen Dollar Schadensersatz.

Inzwischen praktizieren ähnliche Modelle auch andere (vor allem: Online-)Publikationen wie etwa das Magazin Forbes, wobei letzteres kleinere Vergütungen bei besonders abgefragten Autoren ausschüttet.

Unter Medienökonomen wird dieses Modell als “Crowdsourcing” bezeichnet, durch das Medienkonzerne ihre Profitabilität deutlich erhöhen können.

Das Urteil macht deutlich: Wer kostenlos für andere in den Medien arbeitet, sollte keine Wunder erwarten. Das Freien-Referat des DJV rät freien Journalisten dazu, sich auf Ruhm- & Ehre-Projekte nur einzulassen, wenn man es sich finanziell leisten kann und eine wohl überlegte Strategie hinterlegt hat. Es sollte stets versucht werden, auch eigene Seiten aufzubauen, statt ausgerechnet Großkonzerne durch Beiträge zu subventionieren.

Details zum Verfahren auch hier im Freienblog: “Eine Sklavergaleere? Was haben die Autoren der Huffington Post eigentlich erwartet?”

Außerdem: “Warum ich nicht kostenlos für die HuffPo arbeite – Tweet wird zum Killer-Posting”

Sowie zur geplanten deutschen HuffPo Gesucht: Weiblich, millionenschwer, linksliberal: Wer wird die deutsche HuffPo machen?.

Michael Hirscher, hir@djv.de

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6 Kommentare »

  1. »Unter Medienökonomen wird dieses Modell als “Crowdsourcing” bezeichnet«

    Nein, unter Crowdsourcing versteht man etwas anderes.

  2. Sorry, der Einsatz solcher kostenloser Blogger und Autoren wird halt in den Debatten als Beispiel für Crowdsourcing bezeichnet. Kann ich auch nicht ändern…

  3. Das ist mir nicht aufgefallen. Wo denn zum Beispiel? Und selbst wenn: Sie müssen den falsch verwendeten Begriff ja nicht weitertragen, wenn Sie es besser wissen.

  4. @Florian Steglich – Ich würde bestreiten, dass er “falsch” verwendet wird, wenn entscheidende Strategen der US-Medienwirtschaft den Einsatz von kostenlos tätigen Autoren bzw. Bloggern als erfolgreiches Crowdsourcing feiern. Nachweise kann ich gerne demnächst mal liefern, habe jetzt aber noch andere Sachen zu tun. Bitte einfach selbst mal ein wenig googlen, ist doch nicht so schwierig… Siehe Huffington Post, oder Forbes Magazine. Diejenigen, die für die Redaktionssyteme gewonnen werden, sind die Crowd, die Inhalte produziert. Was soll denn der Unterschied sein zwischen Leuten, die keinen Zugang zum Blogger-CMS von Forbes (das übrigens… WORDPRESS ist…) haben, und den übrigen, die außerhalb arbeiten, die können doch auch WordPress.com nutzen. Also ist der Umstand, dass Forbes paar Leute (rund 1.000…) “auswählt”, nichts, dass gegen den Begriff “Crowd” spricht. Crowdsourcing heißt Rekrutierung aus der “Wolke” oder schlichtweg Nutzermasse, die spontan, aber auch langfristig – meist kostenlos – für Projekte gewonnen werden kann.

  5. Danke für den freundlichen Hinweis auf Google, ich hätte auch einen Vorschlag: Wikipedia. »The difference between crowdsourcing and ordinary outsourcing is that a task or problem is outsourced to an undefined public rather than a specific other body.« (http://en.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing) Und in der deutschen Version: »Crowdsourcing ist damit ein Prinzip der Arbeitsteilung« (http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing). Die Crowd ist hier nicht dasselbe wie »mehrere einzelne Personen«. Ob Geld fließt oder nicht, ist nicht wesentlich für die Definition. Die namhaften Strategen können gern alle angrenzenden Fälle auch noch unter den Begriff biegen, aber ich finde Präzision recht hilfreich, wenn es um emotionale Themen geht – wie etwa bei der HuffPo um die Frage, ob es sich um Ausbeutung und »Sklaverei« (Tasini) handelt oder nicht.

  6. @Florian Steglich – will ja nicht so rechthaberisch erscheinen, aber nun HAB ich’s halt mal gegoogelt “Forbes Crowdsourcing” und – da ist es, z.B. die Crowdsoucing-Seite crowdsourcing.org gibt dem Forbes-Projekt den Tag “Crowdsourcing”: http://www.crowdsourcing.org/document/forbes-tries-a-half-huffpo/11011

    MH