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Pinterest verkauft gepinnte Fotos – Kreative kontern mit Urheberrechtskampagne

Von Redaktion • 20.03.12 • Thema: Fotorecht, News, Urheberrecht

Es ist eigentlich wieder einer der epischen Netzkonflikte. Hier ein Unternehmen mit einer netten Netz-Idee, einer Internetseite, die besonders gut bei Frauen ankommt und für einen Traffic vielfach stärker als Twitter sorgt. Dort die Kreativen, vor allem Fotografen, deren Bilder für den Service genutzt werden, ohne gefragt zu werden und Geld zu bekommen. Auf der Seite das US-Unternehmen, das sich auf den Gummiparaphen des US-Urheberrechts “Fair Use” beruft, hier die Kreativen, die das in Frage stellen und mit Klagen und Aktionen drohen.

Die Rede ist von Pinterest, einer Internetseite, auf der Nutzer sich und ihre Interessen über Bilder darstellen können. Bilder, die sie auf beliebigen Seiten im Netz einsammeln, um sie dann auf der eigenen Pinterest-Seite anzuzeigen und darüber auf die ursprünglichen Seiten zu verlinken. Die Gründe, Pinterest zu nutzen, mögen dabei unterschiedlich sein. Mancher mag es nutzen, um tatsächlich zu interessanten Seiten und Themen zu verlinken, mancher aber auch nur, um sich über die Bilder selbst zu definieren.

Bilder sagen mehr als tausend Worte, das Prinzip hat Pinterest gut verstanden. Doch für die Fotografen heißt das: Ihre Bilder werden genutzt, ohne dass gefragt und gezahlt wird. Leute nutzen ihre kreativen Leistungen für die Egoshow oder gar die Promotion ihrer Unternehmen, der Fotograf schaut in die Röhre.

Eigentlich müsste die Deko von eigenen Seiten mit Bildern anderer nur nach Genehmigung und gegen Entgelt möglich sein. Längst gibt es hier im Netz zahlreiche Marktplätze, auf denen Bilder zu Preisen in Höhe von wenigen Euro, manchmal auch darunter erworben werden können. Aber auch professionelle Bilddatenbanken räumen Nutzungsrechte auf Webseiten manchmal schon für Preise unter 100 Euro ein. Der Erwerb von Bildrechten ist mithin prinzipiell ohne Aufwand möglich.

Doch Pinterest bricht mit dem Prinzip “Fragen & Zahlen” und ersetzt es durch das ungefragte, kostenlose Kopieren. Rechtlich gesehen gehen deutsche Juristen davon aus, dass die Bildnutzung in Pinterest ohne Genehmigung gegen geltendes Recht verstößt. Betriebswirtschaftlich wiederum mag mancher Fotograf das “Pinnen” seiner Bilder als kostenlose Werbung einstufen, viele werden dagegen registrieren, dass sie ihren eigenen Markt kannibalisieren, wenn sie der kostenlosen Nutzung zustimmen. Denn wenn Menschen zunehmend zu Pinterest gehen, um sich darzustellen, statt eigene Blogs einzurichten, müssen sie sich auch keine Gedanken mehr über den Bilderwerb machen.

Dabei wäre es so schön gewesen. Bilder mal eben zu übernehmen. Urheberrecht? Das klingt da wieder wie Verhinderungspolitik. Ein schönes Geschäftsmodell, ein toller Service werden gefährdet. Schon ahnt der Leser, dass es vermutlich nur noch kurze Zeit dauern wird, dass die Fraktion der bedingungslosen Google-Freunde und Gegner des Urheberrechts sich auch noch zu (Pro-)Pinterest-Protesten auf die Straße gehen wird, mit ganzen Familien im Schlepptau, deren Angehörige um ihre Pinterest-Identität fürchten.

Pinterest ist aber auch in den USA nicht durch den Gummiparagraphen “Fair Use” gerechtfertigt, finden aber gerade auch Kreative in den USA. Sie machen mit Beiträgen unter anderem in der Initiative “Bill of Rights for all creative people” darauf aufmerksam, dass Pinterest nicht mit den Prinzipien des US-Urheberrechts vereinbar ist.

In einem Papier vom 25. Februar 2012 zählen sie drei Hauptgründe auf, warum Pinterest nicht genutzt werden sollte:

1. Pinterest entfernt die Metadaten aus Bildern. Die Initiative verweist dazu auf ihr Metadaten-Manifest, das die Unverzichtbarkeit dieser Bildinformationen postuliert, weil sie insbesondere auf die Urheberschaft hinweisen.

2. Pinterest lässt sich von Webseiten nur durch die Anbringung einer so genannten Pinterest-Kennzeichnung aussperren. Damit werden die Urheber zu einem “Opt-in”-Verfahren gezwungen, das heißt sie müssen aktiv für ihr Urheberrecht optieren. Das widerspreche dem Urheberrecht, das gerade kein Opt-in vorsehe.

3. Pinterest könne auf Grund seiner Geschäftsbedingungen Bilder, das kostenlos im Netz “gepflückt” wurden, weiterverkaufen, ohne den Urhebern einen einzigen Cent zu zahlen. Werke, die ohne Einverständnis und Honorar von Seiten bezogen wurden, wohlgemerkt.

Kreative, insbesondere auch Fotografen, die an einer vergleichbaren Initiative in Deutschland mitwirken wollen, können sich beim DJV-Referat Freie Journalisten und Bildjournalisten melden.

Michael Hirschler

Siehe auch Beitrag von Heike Kaufhold: “Pinterest – eine Bereicherung für Blogger oder ein Fluch für Fotografen?” vom 7. Januar 2012

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3 Kommentare »

  1. Warum schon wieder diese Polemik gegen Google & Co?

    Wer ein neues Urheberrecht fordert, der fordert nicht dessen Abschaffung und “Fair Use” ist nicht identisch mit “Freiwild”! Pinterest ist doch ein wunderbares Beispiel für die Probleme des Urheberrechts.

    Pinterest ist nur mit “Fair Use” überhaupt realisierbar und daher in den meisten Ländern der Welt überhaupt nur durch Gesetzesbruch realisierbar. Das muss sich ändern.

    Das bedeutet aber nicht, dass Pinterest Meta-Daten entfernen darf oder fremde Bilder einfach weiterverkauft. Genau das ist durch “Fair Use” nicht abgedeckt. Die Namensnennung der Fotografen muss zumindest über die Meta-Daten sichergestellt sein und ein Verkauf nur durch explizite Genehmigung der Fotografen bzw. der Beteiligung an den Erlösen möglich sein.

    Die Chance auf neue Einnahmequellen liegt in solchen Projekten wie Pinterest. Das gibt Pinterest aber nicht das Recht zum Plündern – auch nicht mit amerikanischem “Fair Use”.

    Man kann derzeit nur von der Nutzung des Dienstes abraten, da eine Abmahnwelle zu erwarten ist.

    Dazu hatten wir auch schon geschrieben http://www.djv-bb.de/cms/nachrichten/2012-03-14_Pinterest_rechtswidrig.php

  2. @Klaus Minhard – sprechen Sie mal
    mit Bildjournalisten (die ich vertrete) und Fotografen, die können Ihnen das erläutern.

  3. Klaus, hast du denselben Artikel gelesen wie ich? Wo, bitteschön, befinden sich darin polemische Ausführungen gegen Google?