Infos zum Jahreswechsel für freie Journalisten: Was passiert und ändert sich im Jahr 2011?
Von Redaktion • 30.12.10 • Thema: Existenzgründung, Gesetze & Urteile, Honorare, KSK-Abgabe, Online, Rundfunk, Soziales, Urheberrecht, VergütungsregelnIn diesem Beitrag gibt es einen Überblick der Themen. Wenn Sie allerdings alles auf einmal in einem “Tipps für Freie” (PDF) lesen oder herunterladen möchten, dann gehen Sie hier weiter.
I. Tarife, Vergütungsregeln, urheberrechtliche Regelungen, Weiterbildung
Im Jahr 2011 heißt es wieder: Tarifverträge für arbeitnehmerähnliche Freie erstreiten und -streiken, Vergütungsregeln an Zeitungen umsetzen, Vergütungsregeln an Zeitschriften weiter verhandeln. Verfahren gegen Geschäftsbedingungen von Verlagen werden fortgesetzt, ebenso Einzelverfahren von Freien. Die Kampagnen “Faire Zeitungshonorare” und “Frei.Fair.Handeln!” führen diverse Veranstaltungen und Aktionen durch. Der DJV setzt seine Online-Seminare (Webinare) auch 2011 fort.
Hier gibt´s mehr zum Thema “Urheberrecht, Kampagnen und Weiterbildung für freie Journalisten 2011″.
II. Soziale Sicherheit: Alles wird teurer
1. Krankenversicherung: Zusatzbeiträge, Wahltarife und Bemessungsgrenze
Gesetzlich Krankenversicherte müssen unter Umständen mehr an ihre Kasse an Beiträgen zahlen. Allerdings liegt die neue Belastungsgrenze bei 2 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens. Die Regelung gilt auch für Mitglieder der Künstlersozialkasse.
Weiterhin ändern sich die Regelungen bei Wahltarifen. Der Wechsel in die private Krankenversicherte wird für Freie, die über Rundfunkanstalten versichert werden, einfacher.
Hier ist mehr zum Thema “Änderungen bei der Krankenversicherung für freie Journalisten” zu lesen.
2. Freiwillige Arbeitslosenversicherung für freie Journalisten: Was gilt ab 2011?
Die freiwillige Arbeitslosenversicherung wird 2011 deutlich teurer – und 2012 noch einmal. Dafür gibt es sie jetzt dauerhaft.
Alles zum Thema, Beitrag, Anspruch und mehr ist hier zu lesen “Freiwillige Arbeitslosenversicherung, Regelungen ab 2011″.
3. Arbeitslosengeld-II-Empfänger („Hartz IV“): Elterngeld und Rentenzahlungen weg
Wer zu den (laut DJV-Umfragen rund 2 Prozent der Freien) Empfängern von Arbeitslosengeld II gehört, muss mit Einbußen rechnen. Es erfolgt während des Bezugs keine Einzahlung mehr in die Rentenversicherung. Weiterhin wird das Elterngeld als Einkommen angerechnet.
4. Weitere Regelungen beim Elterngeld: Einkommensgrenzen und Berechnungsregeln
Eltern, die als Alleinerziehende mehr als 250.000 Euro oder als Paargemeinschaft 500.000 Euro im Jahr versteuern, erhalten ab Januar kein Elterngeld mehr. Ab einem Nettoeinkommen von 1.200 Euro im Monat werden 65 Prozent (statt bisher 67 Prozent) des Einkommens gezahlt. Wer weniger verdient, erhält weiterhin 67 Prozent. Es bleibt beim Mindestelterngeld von 300 Euro im Monat und der Höchstbetrag von 1.800 Euro.
5. Künstlersozialabgabe bleibt bei 3,9 Prozent
Künstlersozialabgabe ist von Unternehmen zu zahlen, die Honorare für publizistische oder künstlerische Leistungen zahlen. Es kommt nicht darauf an, ob die Zahlungsempfänger in der Künstlersozialkasse versichert sind. Auch freie Journalisten können abgabepflichtig sein, wenn sie Honorare an andere zahlen. Der Abgabesatz bleibt 2011 bei 3,9 Prozent.
III. Steuern
1. Arbeitszimmer
Grundsätzlich ist zu bemerken, dass freie Journalisten ihr Arbeitszimmer im Regelfall ohne Obergrenze von der Steuer absetzen können, wenn sie schwerpunktmäßig Beiträge von zuhause aus produzieren oder dort fertig stellen. In Sonderfällen wie Bildjournalisten und bei Freien im Rundfunk kommt es auf den Einzelfall an, ob das Finanzamt anerkennt, dass das Arbeitszimmer „berufswesentlicher“ Mittelpunkt der Arbeit ist.
Wer dagegen mit „berufswesentlichem Schwerpunkt“ nicht zuhause, sondern beim Auftraggeber tätig ist, kann sein Arbeitszimmer ab 2011 jährlich dennoch mit bis zu 1.250 Euro geltend machen, wenn er nachweisen kann, dass dort kein Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt wurde. Bei noch offenen Steuerfällen und Steuerbescheiden, die hinsichtlich des häuslichen Arbeitszimmers mit einem „Vorläufigkeitsvermerk“ versehen sind, kann das rückwirkend bis 2007 geltend gemacht werden.
2. Doppelte Haushaltsführung
Wer seinen Lebensmittelpunkt von seinem Arbeitsort verlegt, dort aber noch eine Zweitwohnung behält, kann ab 2011 die damit verbundenen Kosten als doppelte Haushaltsführung geltend machen. Voraussetzung: Es ist noch kein Rückumzug zum Ort der Beschäftigung geplant.
3. Kinderbetreuungskosten
Ab 2011 ist für die Geltendmachung von Kinderbetreuungskosten kein Nachweis hinsichtlich der Frage erforderlich, ob Eltern erwerbstätig, in der Ausbildung, behindert oder krank sind. Grund: Die Kosten zählen ab 2011 zu den Sonderausgaben. Die Redaktion von Haufe.de macht allerdings auf einen möglichen Nachteil aufmerksam: In vielen kommunalen Kindergarten-Gebührenordnungen werden die „Einkünfte“ zur Berechnung herangezogen, gemindert um Werbungskosten und/oder Betriebsausgaben. Da Kinderbetreuungskosten nun aber als Sonderausgaben gelten, könnten damit von dieser Seite Mehrkosten auf die Eltern zukommen.
4. Umsatzsteuer-Jahreserklärung: Elektronisch soll es sein
Ab 2011 muss die Umsatzsteuer-Jahreserklärung „elektronisch“ übermittelt werden. Allerdings kann es das Finanzamt auf Antrag gestatten, die Erklärung weiterhin nach dem amtlich vorgeschriebenen Vordruck abzugeben. Das soll dann gelten, wenn der Selbständige das technische Equipment nicht besitzt oder seine Tätigkeit eingestellt hat.
5. Degressive Abschreibung ab 2011 nicht mehr möglich
Die degressive Abschreibung ist ab 2011 nicht mehr möglich, sie ist – als Investitionsanreiz und Maßnahme gegen die Wirtschaftskrise – nur bei Investitionen zwischen dem 1.1.2009 und dem 31.12.2010 möglich. Ab 2011 ist damit nur noch die lineare Abschreibung möglich.
6. Investitionsabzugsbetrag
Mit dem Investitionsabzugsbetrag können Selbständige künftige Investitionen schon vor dem Kauf steuerlich geltend machen. Die Voraussetzungen für den Investitionsabzugsbetrag ändern sich 2011. Bei freien Journalisten, die (wie praktisch alle Freien) mit Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) arbeiten, darf der Gewinn ohne den Investitionsabzugsbetrag nicht über 100.000 € liegen.
Für bilanzierende Selbständige gilt, dass das Betriebsvermögen (Eigenkapital) in der Steuerbilanz ab 2011 235.000 € nicht übersteigen darf.
Der DJV empfiehlt Mitgliedern, einen Investitionsabzugsbetrag nur mit Hilfe des persönlichen Steuerberaters geltend zu machen, um Steuernachforderungen zu vermeiden, zu denen es kommen kann, wenn Formfehler oder sachliche Voraussetzungen fehlen.
7. Lohnsteuerpflichtige Freie: Keine neue Lohnsteuerkarte
Wer als freier Mitarbeiter an Rundfunkanstalten mit Lohnsteuerkarte tätig ist, braucht für das Jahr 2011 keine neue Karte. Die Karte von 2010 bleibt bis zur 2012 geplanten elektronischen Lohnsteuerkarte als Nachweis für 2011 gültig. Wer 2011 erstmals eine Lohnsteuerkarte benötigt, beantragt sie bei seinem zuständigen Finanzamt.
8. Regale leeren: Welche Unterlagen bzw. Festplatten-Segmente jetzt in den (virtuellen) Papierkorb dürfen
Betriebliche Unterlagen, die nicht im Rahmen von anhängigen rechtlichen Verfahren erforderlich sind, können im Regelfall nach zehn, zum Teil auch sechs Jahren entsorgt werden.
Nach dem 31.12.2010 dürfen entsorgt werden:
- Bücher, Inventare, Bilanzen, Rechnungen, Buchungsbelege, die vor dem 1.1.2001 entstanden sind.
- Empfangene geschäftliche Schreiben sowie Kopien von versendeten geschäftlichen Schreiben, sonstige Unterlagen, die vor dem 1.1.2005 entstanden sind. Dazu gehören beispielsweise auch die E-Mails mit Redaktionen und sonstigen Auftraggebern.
Bei Unsicherheiten über den Beginn der Frist oder die in Frage kommenden konkreten Unterlagen sollte der Steuerberater eingeschaltet werden. Ebenfalls angesprochen werden können das DJV-Referat Freie Journalisten ((hir@djv.de / Tel. 0228 / 2017218) und die DJV-Steuerexpertin Gerda Theile (the@djv.de / Tel. 0228 / 2017211).
9. Wo gibt es noch mehr Informationen für freie Journalisten?
Der DJV informiert online über die Seiten http://www.djv.de/freie, den Freienblog unter http://frei.djv-online.de sowie den Bildjournalisten-Blog unter http://bildjournalisten.djv-online.de (die Zusammenführung aller Blogs und Internetangebote unter ein Dach ist für Ende 2011 geplant).
Darüber hinaus finden sich diese Infos auch in einer Facebook-Gruppe unter http://www.facebook.com/djvfreie (für Bildjournalisten: www.facebook.com/bildjournalisten), in Xing in der Gruppe DJV-Freie Journalisten.
Ganz aktuell, aber auch ein wenig informell und nicht immer nur ganz ernst informiert und unterhält es sich auch per Twitter unter http://www.twitter.com/freie. Weitere Tweets rund um den DJV finden Sie auch im DJV-Freienblog auf der rechten Seite unten angezeigt.
Einige dieser Infos finden sich auch im journalist (sowie unter journalist.de) sowie den Magazinen und Internetauftritten der DJV-Landesverbände.
Umfangreiche Informationen (inklusive Podcasts) finden sich auch auf den Seiten des DJV-Versicherungsmakler Helge Kühl unter http://vs.djv.de.
Infos weiter verbreiten – und selbst „aktiv frei sein“
Wenn Sie selbst im DJV als freie/r Journalist/in aktiv sind und diese Infos in der einen oder anderen Weise für ihre (geplante?) Ortsvereins- oder Fachgruppen-Internetseite verwenden wollen, können Sie das gerne. Mailen Sie aber bitte vorher an das DJV-Referat Freie, denn vielleicht hat sich schon wieder etwas in der Sach- und Rechtslage geändert – damit wir immer aktuell bleiben.
Umgekehrt gilt auch 2011: Informieren Sie den DJV, Ihren Landesverband und den Bundesverband über alle Neuigkeiten rund um ihr freies Berufsfeld. Nur wenn wir frühzeitig von Mitgliedern auf Probleme mit Finanzämtern, Behörden oder Auftraggebern hingewiesen werden, können wir für Sie etwas unternehmen.
Abschließend: Auch 2011 gilt, dass ein Verband auf aktive Mitwirkung angewiesen ist. Besuchen Sie doch einmal eine Mitgliederversammlung Ihres Ortsvereins oder Landesverbandes. Lassen Sie sich von vermeintlichen „Vereins-Ritualien“ nicht abschrecken. Hinter den Kulissen geht es meist lebhafter zu, als Sie denken. Wir freuen uns auf Sie!
Michael Hirschler (hir@djv.de)
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