Logo und Headline für den Freienblog, Infos rund um den freien Journalismus, Honorare für freie Journalisten, Urheberrecht, Künstlersozialkasse, freiwillige Arbeitslosenversicherung, Gründungszuschuss, Künstlersozialabgabe, Presserecht, Online-Seminare und Webinare für freie Journalisten. Informationen des Deutschen Journalisten-Verbandes DJV. Der DJV ist sowohl Berufsverband als auch Gewerkschaft der freien und angestellten Journalisten.
Keymotiv Leitthema

Eine Klarstellung: Nein, es gibt keine Einigung von Google mit den Autoren

Von Redaktion • 19.03.12 • Thema: Ausland, News, Urheberrecht

In der Debatte um das einseitige, rücksichtslose Vorgehen der Firma Google gegenüber Urhebern ist das rücksichtslose Vorgehen von Google gegenüber den Autoren in den USA ein Paradebeispiel. Die Firma Google hat in den USA urheberrechtlich geschützte Bücher ohne Einverständnis von Autoren und Verlagen eingescannt und im Rahmen ihrer Buchsuche eingesetzt. Hiergegen haben die US-Autoren geklagt.

In Reaktion auf die in diesem Blog an verschiedenen geäußerten Kritik an Google wurde von verschiedenen Netzpolitiker und Bloggern im Umfeld der Netzpolitik argumentiert (beispielsweise hier von Marcel Weiss auf neunetz.com), Google habe das Problem doch längst geklärt und einen Vergleich abgeschlossen.

Hierzu ist in aller Kürze festzuhalten, dass hier offensichtlich ein schwerer Irrtum vorliegt. Ganz im Gegenteil gilt: “Die US-amerikanische Authors Guild hat am 12. Dezember [2011] in dem
Google-Buchsuche-Verfahren einen Antrag auf Zulassung der Gruppenklage gestellt”, nachzulesen bei der VG Wort. Der Fall soll jetzt im Juli 2012 verhandelt werden, nachzulesen in der Wikipedia.

Ein ursprünglich einmal anvisierter Vergleich ist wegen diverser Einsprüche von Autoren und anderen Berechtigten nie rechtswirksam zustandegekommen. Abgesehen davon war schon dieser – nie wirksam gewordene – Vergleichstext eigentlich nur deswegen diskutiert worden, weil der Autorenvereinigung (Authors Guild) damals die finanzielle Puste ausging, da sie die Rechtsanwälte für das sehr teure Verfahren kaum noch zahlen konnte. In jedem Fall hatte sich Google von Anfang an skrupellos verhalten – und am Anfang gleich argumentiert, dass die Buchsuche durch die Regelung “Fair Use” gerechtfertigt sei, die Firma also nichts zahlen müsse. Erst im Laufe des Verfahrens musste Google von dieser Ansicht zurücktreten und sich überhaupt auf Verhandlungen einlassen.

An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal recht deutlich, wie wenig sich die Advokaten des deutschen Netzes um die Interessen der Urheber kümmern. Während bei Forderungen der GEMA gegenüber (Googles) YouTube in deutschen Netzkreisen gleich heftige Aufschreie zu hören sind, von der GEZ einmal ganz zu schweigen, wird über Probleme von Autoren und anderen Kreativen mit Googles Geschäftspraxis einfach schweigend hinweggegangen und im Extremfall falsch informiert. Anders als viele deutsche Befürworter von US-amerikanischem “Fair Use” argumentieren, ist das US-Recht gar kein Freibrief für Internetunternehmen, und wehren sich auch in den USA Autoren gegen den Internetgiganten aus Seattle.

Dieser Internetgigant hält übrigens, anders als deutsche Netzpolitiker es propagieren, mitunter recht viel von geistigem Eigentum. So erwarb er zuletzt die US-Firma Motorola für 12,5 Milliarden US-Dollar. Hauptgrund laut Analysten: Google will die Patentrechte von Motorola erhalten.

12, 5 Milliarden für Patente, also für geistiges Eigentum. Geistiges Eigentum, das ja es laut deutschen Netzpublizisten gar nicht gibt oder geben dürfte.

Aber kein Geld zahlen wollen für Autoren, wenn ihre Werke benutzt werden? Hier ist klar zu sehen, welche geringe Wertschätzung Kreative in den Augen von Google haben. Fakten, über die deutsche Netzpolitik und ihre publizistischen Parteigänger gerne hinweggehen.

Michael Hirschler, hir@djv.de

Drucken Drucken

2 Kommentare »

  1. Patente und Urheberrecht auf eine Stufe stellen? Super. Kann ich davon ausgehen, dass Sie mit mir dafür kämpfen werden, dass auch Urheberrechte nach 20 Jahren auslaufen?

  2. @Marcel Weiss – Nein. Jede Verkürzung von Schutzfristen sind abzulehnen; für Lichtbilder müsste er wegen der gestiegenen Lebenserwartung von Fotografen sogar verlängert. Aber auch die nur 20 Jahre Laufzeit bei Patenten waren nicht der Grund, warum Google zahlte. Es ging eben ironischerweise um das angeblich veraltete und ignorierbare geistige Eigentum…