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Beschleunigung der Beitragsproduktion: AOL automatisiert die Ideenfindung – halbwegs

Von Redaktion • 02.12.09 • Thema: Honorare, Markt/Vermarktung, News für Freie

Der vor allem in den USA wichtige Internetdienst AOL plant die Beschleunigung seiner Beitragsproduktion durch einen relativ automatisierten Ideenfinder. Auf der Grundlage von aktuell nachgefragten Themen sollen Inhalte erarbeitet und Anzeigenkunden gewonnen werden. Zudem sollen Anzeigenkunden auch Inhalte bestellen, die im Zusammenhang mit ihren Anzeigen veröffentlicht werden sollen. Als Autoren sollen sowohl renommierte Journalisten als auch ein Heer von freien Mitarbeitern tätig werden, berichtet das Internetmagazin “Wired”. Dabei soll sich die Vergütung für Beiträge einem Anteil der konkreten Anzeigenerlöse entsprechen, sozusagen ein antizipierendes “GoogleAdSense für Autoren”. Im deutschen Szeneblog “Basicthinking” heißt es dazu: “Tschüss Journalismus: AOL plant eine robotisierte Armee von Content-Affen”. Das Vorhaben befindet sich noch in der Testphase. Englischsprachige Freelancer können sich unter seed.com registrieren.

Gleichzeitig wurden von “Gawker” Anleitungen für effizienten Internetjournalismus publiziert, die im Hause AOL verschickt wurden.

Materialgewinnung mit allen Mitteln: Schon vor rund zwei Wochen hatte YouTube angekündigt, Redaktionen die Arbeit mit Material von Bürgerreportern zu erleichtern, nachzulesen beispielsweise in der Computerwoche.

Das neue Vorhaben von AOL ist dem Journalismus nicht gänzlich fremd, sondern beschleunigt lediglich bestimmte Auswahlprozesse. Schon in der Vergangenheit hatten freie Autoren ihre Textvorschläge an der generellen Themenauswahl und oft auch Themenplänen von Zeitschriften und anderen Medien orientiert. Diese wiederum waren oft an dem Interesse von Anzeigenabteilungen orientiert, Anzeigenkunden das Inserieren mit Hinweis auf Themenschwerpunkte schmackhaft zu machen. Neu ist eher die kaum noch vorhandene zeitliche Distanz zwischen Themenfindung und Textredaktion. Manche befürchten, dass dadurch auch noch die inhaltliche Distanz abhanden kommt. Das wird vermutlich auch durch die direkte finanzielle Beteiligung weiter forciert. Es ist beispielsweise wenig wahrscheinlich, dass Inserate pro Atomkraft zu atomkraftkritischen Artikeln führen werden. Allerdings hatten solche Auswahlprozesse noch nie etwas speziell mit dem Internet zu tun und sind auch aus anderen Medien bekannt. Das gilt unter Umständen sogar für teilnehmende Gäste in TV-Produktionen, wie Albrecht Müller auf seinen “Nachdenkseiten” behauptet.

Andererseits wird niemand völlig von der Hand weisen können, dass Suchbegriffe, mit denen das eigene Blog oder Internetangebot sind, ziemlich gut zeigen können, wo das Interesse des Publikums liegt, ebenso wie Statistiken über Zugriffe. Hier ist die Gefahr des “Vorbeischreibens” durchaus ein Stück geringer als in einem Journalismus, der allenfalls durch aufwändige Leserumfragen und spärliche Leserbriefe Feedback erfährt.

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