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Es manifestet im Internet

Von Redaktion • 07.09.09 • Thema: Honorare, News für Freie, Online, Urheberrecht

17 15 bekannte Internetautoren, vulgo Blogger, haben ein “Internet-Manifest” veröffentlicht, das jedenfalls gerade jetzt nicht hier, aber immerhin hier gelesen werden kann.

Dort ist viel Richtiges zu lesen, aber auch ziemlich viel Allgemeines. So eine Mischung aus Magna Charta, Erklärung der Menschenrechte und dem Grundgesetz. Nach (kommunistischem) Manifest klingt es weniger, das hätte vermutlich zu unterhaltsam gewirkt und zu wenig ernsthaft und hätte dann in etwa nur so geklungen:


“Ein Gespenst geht um im Journalismus: Das Gespenst des Internets.

Alle Mächte des alten Europas Journalismus haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst Burda und der Zar, Metternich und Guizot, die F.A.Z., französische Radikale Journalistengewerkschaften und deutsche Polizisten.

Wo ist die Oppositionspartei der Internetjournalist, der nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch toilettenbepinselnder Blogger verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei der Internetjournalist, der den fortgeschritteneren Oppositionsleuten Internetjournalisten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des KommunismusInternetrüpelns nicht zurückgeschleudert hätte? Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.

Der Kommunismus Das Internet wird bereits von allen europäischen Mächten Journalisten als eine Macht anerkannt.

Es ist hohe Zeit, daß die Kommunisten Internetjournalisten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des Kommunismus Internets ein Manifest der Kommunisten der Internetjournalisten selbst entgegenstellen.

Zu diesem Zweck haben sich Kommunisten Blogger der verschiedensten Nationalität aus Deutschland in London online versammelt und das folgende Manifest entworfen, das in englischer, französischer, deutscher, italienischer, flämischer und dänischer Sprache veröffentlicht wird.”

(…)

Besonders würde aber interessieren, was denn die dort herrschende (Männerquote der zugelassenen Erst-Unterzeichner liegt übrigens bei 80+ Prozent…) Meinung zum Thema Google und Leistungsschutzrecht wäre. Denn Meedia.de vermeint dort “ein Gegengewicht zu den Forderungen von Politikern und Medien-Managern, im Internet ein Leistungsschutzrecht durchzusetzen” auszumachen, aber davon ist dort interessanterweise gar nichts zu lesen. Oder etwa auch zum Thema Google-”Buchsuche”.

Zum Urheberrecht ist dort zu erfahren:

“13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.

Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.”

Also Google News ist gut oder vielleicht auch nicht, soll zahlen oder nicht, bzw. Google “Buchsuche” ist, ja was denn nun? Die Fragen der Zeit werden nicht so richtig gelöst, aber vielleicht soll das Manifest ja auch nicht so sehr für die schnöde Jetztzeit, sondern für die Ewigkeit gelten. Bis dahin weiß schon keiner mehr, was Google war und ein Leistungsschutzrecht (hoffentlich). Oder soll das bedeuten: “Eigentum verpflichtet. Google Material zur Verfügung zu stellen.” ?

Interessant ist auch unter Punkt 10:


“Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.”
Wie könnte dem widersprochen werden. Das ist so in etwa wie mit den Hemden. Wenn die mittlerweile im Supermarkt für 2,99 Euro zu kaufen sind, und in Sonderaktionen auch noch mal mit 30 Prozent Rabatt abgegeben werden, wer wird denn da nicht zugreifen wollen? Es gibt eben nur gut genähte Hemden, und seien sie auch zu Hunger- oder gar keinen Löhnen zustandegekommen. Wer sagt denn, dass es nicht genau so viele oder noch mehr Nähfehler gibt, wenn irgendein auskömmlicher Lohn gezahlt würde? Wenn einige Leute von der Partei der Spielverderber hier noch irgendein Argument loswerden wollen, etwa die von der Initiative für faire Kleidung oder gar der für faire Honorare oder Löhne für Journalisten (wir setzen jetzt mal keinen Link), dann bitte nicht in puncto Qualität. Qualität im Journalismus geht eben auch ohne Geld, ganz wie wie bei den Hemden. Diese These (nur diesen einen Satz) könnten sicherlich auch noch einige Controller herausstreichen, für die Erben, die heute überwiegend Verlage bewirtschaften lassen und gerade derzeit viel sparen wollen, um ihre Fehlinvestitionen in anderen Bereichen (wie etwa Internet) auszugleichen. Weniger ist halt mehr, wusste schon die Verlegerwitwe Bolte, und schickte ihren Geschäftsführer los, diesen Sinnspruch in Realität umzusetzen.

Leider gibt es da dann doch einige Leute, gerade freie Journalisten, die nicht vom Bloggen und Google-AdSense etc. leben, sondern davon, dass sie echte Orte und Leute aufsuchen und dafür Fahrt- und Übernachtungskosten haben, die können derzeit ihre Reportagen in Text, Foto oder Film nicht mehr ausführen, weil auch die Verlagsgeschäftsführer meinen: “Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.” Wer den Zusammenhang zwischen Honoraretat und journalistischen Möglichkeiten thematisiert, macht sich eher unbeliebt. Kann man doch alles online recherchieren. Ein Profi-Foto braucht auch keiner, das bringt, sogar ganz unverwackelt der Textkollege mit bzw. news aktuell.

Eine (Firefox-, nicht Google-)Suche nach den Stichwörtern “angemessen” und “Honorar” im (Internet-, nicht kommunistischen) Manifest führte übrigens zu keinem Ergebnis. Aber darum ging es sicherlich auch nicht.

Damit es keiner falsch versteht: Im “Manifest” (ratet mal, welchem) steht auch viel Richtiges. Aber Kritik muss auch sein, auch gegenüber berühmtesten Internetjournalisten.

6 Kommentare »

  1. Naja – dass ein Manifest keine konkreten Forderungen beinhaltet, liegt ja in der Natur der Sache. Wer das ernsthaft erwartet, hat einfach nicht verstanden, worum es dabei geht. Aber statt sich endlich mal zu engagieren, zeigt der DJV einmal mehr seine offenbare Inkompetenz beim Umgang mit dem Thema Online und schwafelt sich an wenig beindruckenden Textzitaten entlang. Auch eine Aussage.

  2. Der Leser ist nach wie vor bereit für guten Journalismus zu bezahlen, aber eben nicht mehr so oft für bedrucktes Papier im halben Tischformat und nicht für jeden Preis. Wer will schon auf seine Regionalnachrichten oder auf investigativen Journalismus verzichten. Das Internet bedeutet aber auch die freie Wahl der Nachrichtenthemen. Der Mainstream bricht zusammen. Was für ihn wichtig ist, entscheidet wieder der Leser. Die Frage nach dem begleitenden Fotografen hört sich an wie die Frage nach dem Bleidrucksetzer. Manchmal ist die Technik eben schneller und vielleicht ist heute eben der Kameraman nötiger. Nur der eignet sich nun mal nicht für Papierdruck.

  3. Also was Google-Books angeht, da haben die deutschen Verleger völlig geschlafen.
    Sie hätten Ihre Bücher längst selbst “einscannen” können und im Netz anbieten. Hallo Verleger, das nennt man “EBook”.

    Wo sind denn die EBook-Angebote? Und diese bitte zu einem vernünftigen Preis (Nein, damit ist nicht gemeint, dass der gleiche Preis wie für Hardcover-Ausgaben genommen wird).
    Wenn man EBooks für 19.95 EUR anbietet, wenn im Buchladen um die Ecke das Ganze als Taschenbuch für 5.95 zu bekommen ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn keiner den Kram kauft. Kundenverarsche ist heute eben nicht mehr so einfach!

  4. Der DJV verkennt, dass Manifeste stets hehre ideale Ziele ankündigten. Die praktische Umsetzung folgte meistens danach. Siehe Luther, Marx und Engels oder die Agenda 2010. Dass man nicht glücklich über eine Konkurrenzgewerkschaft ist, die sich da gründet ist verständlich. Andererseits: Was der djv zur Zeit hat ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss.

  5. Die Aufregung über das Manifest kann ich nicht nachvollziehen. Da werden doch Selbstverständlichkeiten über den Medienbetrieb geäußert, die nichts an der Schläfrigkeit der Massenmedien ändern werden. Da können über Hamburger Erklärungen oder sonstige Silo-Strategien noch so viele Bollwerke errichtet werden. Die Logik des Netzes bleibt davon unberührt. Solche Pro- und Contra-Manifeste können wir uns schenken. Entscheidend ist die normative Kraft des Faktischen. Siehe auch: http://gunnarsohn.wordpress.com/2009/09/08/ob-mit-oder-ohne-manifest-bei-vielen-massenmedien-werden-die-lichter-ausgehen/

  6. Zu der Frage, warum ich für journalistischen Produkte zu zahlen bereit sein sollte, greift das Manifest zu kurz. In Punkt 16 steht zu lesen: “Qualität bleibt die wichtigste Qualität. – Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist.” Nein, es ist nicht unbedingt erforderlich, herauszuragen, weder als Journalist noch in den meisten anderen Berufen. Qualität in der Berichterstattung definiert sich im Wesentlichen auch über die Kriterien “Zuverlässigkeit” und “Einordnungsbarkeit”. Zuverlässigkeit bezieht sich u.a. auf die Informationsauswahl und die Mindestqualität der Informationsverarbeitung. Einordnungsbarkeit wird erreicht z.B. durch die “Marke” der Publikation oder den Namen des Journalisten. Maßgeblich wegen dieser von mir hinzugefügten Kriterien überleben (bisher) die meisten Tageszeitungen, nicht aber, weil sie so “herausragende” oder “besondere” Inhalte anzubieten hätten. – In These 17 heißt es: “Die ‘Generation Wikipedia’ weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe.” – Das mag für eine schmale Bildungselite gelten, die sowohl über die notwendige Recherche-Kompetenz verfügt als auch die Notwendigkeit derselben eingesehen hat. Soweit ich es bisher im erweiterten Umfeld (inkl. Weiterbildungs-Gruppen und Schule) beobachten kann, hapert es durch die Bank an der Fähigkeit zur Recherche oder am Einsehen in die Notwendigkeit oder an beidem.

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