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Verhandeln kann gelernt werden, aber kann überhaupt verhandelt werden? “Frei.Fair.Handeln!” in Berlin

Von Redaktion • 31.10.08 • Thema: Honorare, Markt/Vermarktung, News für Freie, Urheberrecht

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Das Verhältnis der Redaktionen zu ihren freien Mitarbeitern/innen muss besser werden. Freie müssen aber auch selbst in der Lage sein, ihre Standpunkte und Interessen in Verhandlungen deutlich zu machen. Mit der neuen DJV-Initiative “Frei. Fair. Handeln!” soll der Versuch unternommen werden, diese Themen zu diskutieren und fairen Umgang miteinander zu werben. Auf der Auftaktveranstaltung der Initative am 24. Oktober in Berlin wurde zwischen Referenten, eingeladenen Redakteuren und Freien selbst diskutiert, welche Gründe schlechte Einkommen haben und wie Freie dagegen vorgehen können.

Freie verdienen im Durchschnitt schlecht. Hervorragend ausgebildet, überwiegend mit Hochschulabschluss, kommen sie im Durchschnitt gerade einmal auf rund 2.150 Euro Gewinn im Monat – vor Steuern. Zu wenig angesichts des Ausbildungsniveaus, Redakteure verdienen deutlich mehr. Michael Rediske, Geschäftsführer des Vereins Berliner Journalisten, stellte auf der Veranstaltungn einige ausgewählte Beispiele aus der soeben beendeten Umfrage unter den Freien vor, die sich noch in der Auswertung befindet. Längere Diskussionen gab es über die Frage, warum Frauen deutlich weniger verdienen als Männer. Als einer der Gründe war statistisch der Umstand auszumachen, dass Frauen im Durchschnitt rund sieben Stunden weniger tätig sind als ihre männlichen Kollegen. Als weiterer Grund war zu berücksichtigen, dass Frauen im Bereich der Freien bis zum Alter von 40 Jahren mit 55 Prozent in der Überzahl sind und jüngere Freie rein statistisch weniger Honorar erhalten als Ältere. Darüber hinaus war die Meinung vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass die überwiegend männlich besetzten Redaktionen gerade gegenüber Frauen besonders hart bei der Honorarfestsetzung seien. Eine Diskussion mit vielen unterschiedlichen Standpunkten schloss sich hier an.

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Was Freie verdienen: Michael Rediske analysiert die Freien-Umfrage

Freie müssen sich aktiv um das Urheberrecht bemühen, es ist nichts anderes als das “Arbeitsrecht der Freien”, war das folgende Thema des Referats von Michael Hirschler, DJV-Referent für freie Journalisten. Durch individuelle Mitteilungen und die Verwendung eigener Geschäftsbedingungen können Freie den rechtlichen Rahmen ihrer Arbeit mitgestalten. Der DJV seinerseits verhandelt mit den Verlegerverbänden über eine Vergütungsordnung, die angemessene Honorare und Vertragsbedingungen für alle Freien regeln soll. Die Verhandlungen neigen sich einem erfolgreichen Ende zu. Darüber hinaus läuft nach wie vor das Verbandsklageverfahren des DJV gegen den Verlag Axel Springer, das als Musterverfahren auch für andere Verlage und Medienhäuser zu verstehen ist. Klar ist, dass sich die Freien in urheberrechtlich “interessanten Zeiten” befinden. “Ich wünsche Dir interessante Zeiten”, so lautet freilich auch ein chinesischer – Fluch. Allgemeine Geschäftsbedingungen wie die des Handelsblattes, die derzeit wieder einmal verschickt werden, sind in jedem Falle häufig das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden. Hier hält es sich wie mit dem Mietvertrag – mit dem Mieterbund zusammen können viele Klauseln gekippt werden. Nichts anderes macht der DJV für seine Mitglieder, wenn sie solche Honorarbedingungen erhalten.

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Florian Barckhausen, Chefredakteur radio eins

Nur noch mit “Meteoriten” verhandele er über Honorare, berichtete in der von Justin Westhoff moderierten Podiumsdiskussion Chefredakteur Florian Barckhausen, Chefredakteur Radio eins (rbb). Wer anders als solche gelegentlich “vorbeifliegenden” Freien permanent von Inforadio eingesetzt werde, bekäme klare Festhonorare nach dem Honorarrahmen. Hier werde nicht verhandelt, machte Barckhausen klar. Darüber hinaus wäre bekannt, dass der Sender mittlerweile sogar die Bedingungen für Urheber und Mitwirkenden ohne Verhandlung mit den Gewerkschaften in Kraft gesetzt habe.

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Justin Westhoff lauscht Lorenz Marold, Chefredakteur des Tagesspiegels

Der Tageszeitungsbereich ist nicht geeignet, Freien einen Lebensunterhalt zu ermöglichen. Diese überraschend deutliche Feststellung machte Lorentz Marold, Chefredakteur des Tagesspiegels. Wünschenswert wären höhere Honorarsätze als heute, aber es gelte immer auch zu beachten: “Mein Honoraretat ist gedeckelt”. Zwar sei eine Verhandlung über Honorare im Einzelfall nicht ausgeschlossen, dann sei allerdings auch entsprechende Qualität und Originalität des Themas gefragt.

Justin Westhoff, freier Journalist und Moderator der Veranstaltung, erlaubte sich zwischendurch selbst einen Exkurs und machte deutlich, wie Freie sich aufstellen müssen, um im Markt überleben zu müssen. Etwa für viele verschiedene Auftraggeber zu arbeiten oder rücksichtsvoll gegenüber Redaktionen zu sein und zur rechten Zeit anzurufen.

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Fünf Voraussetzungen für erfolgreiches Verhandeln: Christian Sauer, freier Journalist und Coach

Verhandeln kann gelernt werden. Entscheidend kommt es darauf an, eigene Positonen klar darzustellen. Christian Sauer, freier Journalist und Coach, diskutierte anhand von Einzelfällen, mit welchen Strategien Probleme mit Redaktionen gelöst werden konnten. Dazu gehört auch, die eigenen Finanzen zu verstehen und mit der Notwendigkeit klarer Tagessätze bzw. Minimalraten argumentieren zu können. Klar dabei ist, dass individuelles Verhandeln nur individuelle Probleme lösen könne. Wenn zahlreiche Kolleg/inn/en genauso betroffen seien, wäre möglicherweise eher der Verband als ein Einzelcouch Ansprechpartner/in. Helfen könnten auch einfache Redaktionsbesuche, weil Redaktionen für viele Freie einfach Neuland seíen.

Die Veranstaltungsreihe, an deren Auftaktveranstaltung vierzig Teilnehmer/innen teilnahmen, soll im Jahr 2009 mit sechs regionalen Treffen fortgesetzt werden. Die Initiative “Frei. Fair. Handeln!” lädt DJV-Mitglieder dazu ein, in ihren Regionen entsprechende Initiativen zu entwickeln und mit ihren Landesverbänden entsprechende Veranstaltungen durchzuführen.

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